Prostatakrebs

In Deutschland sterben 3 von 100 Männern an Prostatakrebs

Prostatakarzinome sind nur selten hochaggressiv. Meist schreitet der Krebs sehr langsam voran und verursacht über Jahre keinerlei spezifischen Beschwerden.

Der Prostatakrebs (auch Prostatakarzionom) ist ein bösartige Tumorerkrankung und geht von der Vorsteherdrüse (Prostata) aus. Mit über 50.000 Fällen pro Jahr gehört der Prostatakrebs zu den häufigsten Krebserkrankungen des Mannes. Drei von 100 Männern sterben an Prostatakrebs in Deutschland. Er ist nach Lungen- und Darmkrebs mit 10% der Todesfälle in der Gruppe der an Krebs verstorbenen Männer die dritthäufigste Krebserkrankungen.

Die Erkrankung ist im Frühstadium nicht zu merken und symptomlos. Im fortgeschrittenen Stadium können Beschwerden wie Knochenschmerzen und Blasenentleerungsstörungen auftauchen. Später auch Gewichtsverlust und Blutarmut. Bei Diagnose nach dem Eintreten von Beschwerden, hat meist schon eine Metastasierung (Übergriff auf andere Organe) stattgefunden, vorrangig in die lokalen Lymphknoten oder in das Skelett (Knochenmetastasen).

Bei Krebsarten wie Prostatakrebs sind zwei verschiedene Begriffe im Umlauf: Früherkennung und Vorsorge. Obwohl viele Menschen sie umgangssprachlich als Synonyme verwenden, gibt es medizinisch gesehen Unterschiede zwischen beiden Begriffen.

Vorsorge:

Hierzu zählen alle Maßnahmen, mit denen Sie Krankheiten wie Prostatakrebs vorbeugen können. Im besten Fall entstehen diese somit erst gar nicht. Zu diesen Strategien zählen beispielsweise das Nichtrauchen, maßvoller Alkoholkonsum und viel Bewegung, die das Risiko für verschiedenste Erkrankungen senken. Auch wenn ein gesunder Lebensstil ganz allgemein von Vorteil für die Gesundheit ist, ist es nicht wissenschaftlich bewiesen, dass Sie damit Prostatakrebs vorbeugen können.

Früherkennung:

Mit diesen Maßnahmen soll Krebs und andere Krankheiten bereits im Frühstadium entdeckt werden. So wollen Ärztinnen und Ärzte die Prognose und Heilungschancen verbessern sowie die Lebenserwartung erhöhen. Auch die Behandlungen fallen oft weniger gravierend aus, wenn eine Krebserkrankung bereits im Frühstadium entdeckt wird.

Krebsregisterdaten des Robert Koch-Instituts (RKI):

  • Knapp 80.000 Männer erkrankten im Jahr 2023 neu an Prostatakrebs.
  • Fünf Jahre nach der Diagnose leben noch 92 Prozent der Männer.
  • Zehn Jahre später sind noch 89 Prozent der Männer am Leben.
  • Ungefähr 15.200 Männer starben an ihrer Krebserkrankung.

Die Überlebenschancen bei Prostatakrebs sind also hoch – vorausgesetzt, der bösartige Tumor wird in der Prostata in einem frühen Stadium von Ärztinnen und Ärzten gefunden. Dann ist er noch auf die Prostata begrenzt, hat die Kapsel noch nicht durchbrochen und sich auch nicht auf Knochen und andere Organe ausgebreitet. Zudem hat der Tumor noch keine Krebsabsiedelungen (Tochtergeschwulste, Metastasen) gebildet. In diesem Stadium ist ein Prostatakarzinom gut heilbar.

Vorteile:

Je früher, desto besser. Die Früherkennung von Prostatakrebs hat einige Vorteile. Je früher Ärztinnen und Ärzte einen bösartigen Tumor in der Prostata entdecken, desto besser sind die Heilungschancen und desto günstiger ist die Prognose. Allerdings spüren viele Männer im Frühstadium der Erkrankung nichts von der Erkrankung, da der Prostatakrebs noch keine Symptome hervorruft. Viele Männer gehen erst dann zum Arzt oder zur Ärztin, wenn sie Beschwerden haben. Daher sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wichtig, um einem möglichen Prostatakarzinom rechtzeitig auf die Spur zu kommen. Welche Früherkennungsmaßnahmen sinnvoll sind, hängt unter anderem von Ihrem Alter ab. Auch individuelle Risikofaktoren, wie Prostatakrebs oder eine andere Krebsart in der Familie, spielen eine Rolle. Diese können das Risiko für Prostatakrebs erhöhen.

Nachteile:

Den guten Heilungsaussichten durch die Früherkennung von Prostatakrebs stehen einige Nachteile gegenüber. So erkennen und behandeln Mediziner manchmal auch bösartige Tumoren der Prostata, die dem betroffenen Mann zu Lebzeiten keine Beschwerden bereitet hätten. Manche Männer sind zwar an einem Prostatakarzinom erkrankt, das aber sehr langsam wächst und wenig aggressiv ist. Sie sterben dann nicht an ihrem Prostatakrebs, sondern mit ihrem Tumor – und an einer ganz anderen Erkrankung. Es besteht also die Gefahr der Überdiagnose und Übertherapie. Wägen Sie daher den Nutzen der Prostatakrebs-Früherkennung sowie die möglichen Risiken gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt gut ab.

Die Ursache für Prostatakrebs ist bisher weitgehend unbekannt. Eine genetische Abhängigkeit spielt jedoch häufig eine Rolle. Sind Männer im näheren familieren Umkreis betroffen, besteht ein doppelt so hohes Erkrankungsrisiko.

Eine ethnische Zuordenbarkeit ist bisher nicht gelungen, da Nachkommen von Emigranten deren Erkrankungsrisiko nicht tragen, sondern die des Heimatlandes annehmen. Eine gewisse Rolle wird hierbei der Ernährung zugeschrieben. Während der Prostatakrebs in Japan etwa sieben Mal seltener auftritt als in Europa und den USA, steigt das Prostatarisiko bei zugezogenen Japanern relativ schnell auf örtliches Niveau. Ein deutlicher Indikator wird hier vor allem der asiatischen Ernährung und Lebensweise zugeordnet. Die Studienlage weist einer pflanzenreichen Kost gute Prävention auf das Forschreiten und das Überleben bei Prostatakrebs zu.

Das Risiko für den Prostatakrebs erhöht sich deutlich mit dem Genuss von Fleisch, insbesondere rotem Fleisch. Ebenso in Zusammenhang gebracht werden die typischen Zubereitungsarten wie Schmoren und Grillen. Dabei freigesetzte Stoffe erhöhen das Prostatakrebsrisiko.

Dagegen erklärt eine 2020 veröffentliche Studie „Health Professionals Follow-up-Studie“ der Harvard University, das häufiges Ejakulieren in jüngeren Jahren das Erkrankungsrisiko senkt. Männer, die im Alter zwischen 20 und 29 Jahren mindestens 21-mal pro Monat ejakulierten, wiesen ein um rund 19 Prozent geringeres Risiko für ein Prostatakarzinom auf als die Kontrollgruppe mit nur 4 bis 7 Samenergüssen monatlich. Methodisch ist hierbei das Ursache-Wirkung-Verhältnis nicht geklärt. Schätzungen zur Folge werden durch die häufige Bildung von Samenflüssigkeit, krebserregende Substanzen aus der Prostata herausgeschwemmt. Auch würden die Prostatazellen auf dies Art zum Ausreifen angeregt, was sie für Krebszellen weniger anfällig machen könnte.

Ein weiterer möglicher Risikofaktor ist Sonnenmangel, auch wenn dieser bis jetzt zwiespältig betrachtet wird. Jedoch besteht ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Zugeschrieben wird dies einem Mangel an Vitamin D, welcher größtenteils durch UV-B-Bestrahlung in der Haut gebildet wird. Anderseits sind auch die Risikofaktoren für Hautkrebs zu beachten die bei zu viel Besonnung auftreten können. Möglicherweise überwiegen aber die Vorteile der Besonnung. Das richtige Mass ist auschlaggebend.

Des weiteren haben Studien an Prostatakrebspatienten gezeigt, das die Polyphenole aus Granatapfel wirkungsvoll gegen ein Ausbreiten der Krankheit sind. So stellt die Studie fest, dass durch den täglichen Genuss von Granatapfelsaft Ihren PSA-Wert viermal länger konstant halten als vor der Behandlung.

Prostatakarzinome sind nur selten hochaggressiv. Meist schreitet der Krebs sehr langsam voran und verursacht über Jahre keinerlei spezifischen Beschwerden. Da diese Krebsart zudem meist im fortgeschrittenem Alter auftritt, wird sie gerne als harmloser „Alterskrebs“ heruntergespielt. Demgegenüber steht jedoch die erschreckende Tatsache, dass Prostatakrebs in der Statistik über krebsbedingte, organbezogene Todesursachen bereits an zweiter Stelle bei Männern rangiert.

Im Frühstadium erkannt, gilt das Prostatakarzinom heute jedoch als heilbar, so dass die Vorsorgemaßnahmen hier eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Derzeit gilt, dass bei Männern ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich eine entsprechende Untersuchung durchgeführt werden sollte, um ein Karzinom so rechtzeitig zu entdecken, dass es vollständig geheilt werden kann.

Der Tastbefund

Routinemäßig führt ein Urologe ab dem 50.ten Lebensjahr zunächst eine Tastuntersuchung durch. Hierbei wird die Prostata vom Endarm aus auf verdächtige Veränderungen abgetastet.

Die normale Gewebebeschaffenheit der Drüse ist prall-elastisch, ähnlich wie zum Beispiel der Handballen. Eine Verhärtung kann ein Hinweis auf eine bösartige Veränderung sein, so dass zur weiteren Abklärung eine Blutuntersuchung und eine Biopsie vorgenommen werden.

In Deutschland ist die Tastuntersuchung das Standardverfahren der Vorsorge-untersuchung. Die Blutuntersuchung wird im Rahmen der gesetzlichen Regelung nur dann von den Krankenassen erstattet, wenn ein Tastbefund die Untersuchung notwendig macht. In Amerika geht man umgekehrt vor und führt routinemäßig zunächst die weniger unangenehme Blutuntersuchung durch. Auf diese Weise konnte die Hemmschwelle der Prostatavorsorgeuntersuchung deutlich gesenkt und die Früherkennungsrate des Karzinoms gesteigert werden.

Blutuntersuchung (PSA-Wert)

Bei der Blutuntersuchung wird der Wert eines bestimmten Eiweiß gemessen, das fast ausschließlich von Prostatazellen produziert und in das Blut abgegeben wird. Dieses Eiweiß wird als „prostataspezifisches Antigen“, kurz PSA bezeichnet.

Bei einem leicht erhöhten PSA-Wert muss nicht unbedingt ein bösartiges Karzinom vorliegen, denn auch gutartige Vergrößerungen und andere Faktoren können zu kleinen Veränderungen der Normwerte führen. Im Falle einer Tumorerkrankung ist der PSA-Wert häufig auch dann schon erhöht, wenn das Prostatakarzinom noch nicht tastbar ist. Die Bestimmung des PSA-Wertes stellt ein wichtiges diagnostisches Mittel dar, um Prostatakrebs im Frühstadium zu entdecken. Bei einem positiven Tastbefund und/oder ein gleichzeitig erhöhter PSA-Wert erhärtet den Verdacht auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms.

Biopsie (Gewebeentnahme)

Die endgültige Sicherheit der Diagnose kann nur durch eine Biopsie erbracht werden. Dabei werden winzige Mengen des betroffenen Prostatagewebes unter Ultraschallkontrolle vom Enddarm (transrektaler Ultraschall) aus entnommen und histologisch, d. h. feingeweblich unter dem Mikroskop untersucht. Auf diese Weise kann nicht nur das Vorliegen eines Karzinoms bewiesen, sondern auch der Grad der Bösartigkeit und das Tumorvolumen festgestellt werden.

„State of the art“ ist derzeit die ultraschallkontrollierte Sextantenbiopsie. Unter Monitorsicht entnimmt der Arzt hierbei 6 Stanzzylinder aus genau definierten Bereichen der Prostata. Dies geschieht mit Hilfe einer dünnen Hohlnadel, die gezielt über den transrektalen Ultraschall in die Prostata eingeführt wird.

Ultraschalluntersuchung

Bildgebende Verfahren wie die Ultraschalluntersuchung werden häufig angewandt, um die lokale Ausdehnung des Prostatakarzinoms abzuschätzen. Diese Untersuchungstechnik ist jedoch im Hinblick auf die Frage nach kapselüberschreitendem Karzinomwachstum, also ersten Anzeichen eines nicht mehr nur auf die Prostata begrenzten Tumor, ungenau und man muß davon ausgehen, dass bei ungefähr der Hälfte der Patienten keine Kapseldurchdringung im Ultraschall zu sehen ist, obwohl sie vorhanden ist. Bei unklaren lokalen Befunden kann zusätzlich eine Computertomographie oder eine Kernspinuntersuchung Klarheit schaffen.

MRT

Die multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT) ist ein schmerzfreies, strahlenfreies Bildgebungsverfahren, das bei Verdacht auf ein Prostatakarzinom, zur gezielten Biopsieplanung und bei der aktiven Überwachung (Active Surveillance) eingesetzt wird. Sie bewertet Gewebeveränderungen anhand standardisierter Kriterien (PI-RADS)

quelle:

Beim lokal begrenzten Prostatakarzinom ist der Tumor auf die Vorsteherdrüse beschränkt. Es sind keine Lymphknoten- und/oder Fernmetastasen (Tochtergeschwülste) vorhanden.

Die wichtigsten Voraussetzungen für eine LDR-Brachytherapie (Seed-Implantation) der Prostata sind ein lokal begrenzter Tumor, ein niedriges oder mittleres Risikoprofil mit günstiger Prognose sowie eine geeignete Prostatagröße.

Wie jedes andere Krebsleiden kann auch das Prostatakarzinom mit unterschiedlichen Therapieverfahren behandelt werden.

Grundsätzlich gilt, dass ein örtlich auf die Prostata begrenztes Karzinom mit einer lokalen Therapie kurativ, das heißt heilend, behandelt werden kann. Hierzu stehen zwei verschiedene Methoden zur Verfügung: die operative Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie) sowie die Strahlentherapie (Brachytherapie – innere Bestrahlung – und Bestrahlung von außen). Bei Tumoren, die sich bereits über die Prostata hinaus ausgebreitet und eventuell Metastasen gebildet haben, muss hingegen systemisch, d.h. der gesamte Organismus behandelt werden.

Unabhängig von der Ausdehnung des Tumors sind bei der Wahl der geeigneten Therapie jedoch zahlreiche individuelle Faktoren zu berücksichtigen.

Hierzu zählt zum Beispiel die Lebenserwartung und der körperliche Zustand des Patienten. Bei Patienten mit einer Lebenserwartung < 5 Jahre ist es oft vertretbar, mit einer Therapie abzuwarten und zunächst die weitere Entwicklung des Karzinoms zu beobachten. Bei Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom und einer Lebenserwartung von mehr als 5 Jahren sollte man sich hingegen auf jeden Fall zu einer kurativen
Therapie entscheiden, weil das Karzinom das Leben mit hoher Wahrscheinlichkeit verkürzen wird. Gerade jüngere Patienten schrecken jedoch häufiger vor einer Therapie zurück, da sie mögliche Nebenwirkungen wie zum Beispiel Impotenz fürchten.

Lassen Sie sich von Ihrem Arzt genau erklären, wie sich die Vor- und Nachteile der einzelnen Therapieverfahren speziell bei Ihnen auswirken können!

Wichtig ist es deshalb, dass Sie sich als Betroffener selbst intensiv mit den verschiedenen Therapiemöglichkeiten sowie all ihren Vor- und Nachteilen auseinandersetzen. Denn nur der informierte Patient ist in der Lage, aktiv an seiner Genesung mitzuwirken und gemeinsam mit den Ärzten sowie gegebenenfalls auch mit seinen Angehörigen, die für seine Person optimale Entscheidung unter Abwägung von Tumorwirksamkeit und Lebensqualität zu treffen.

Entscheiden sich Arzt und Patient für eine radikale Prostatektomie, wird die gesamte Prostata mit Samenbläschen sowie Samenleiteanteilen, ein Teil des Blasenhalses sowie die benachbarten Lymphknoten entfernt.

Der große Vorteil des operativen Vorgehens besteht ohne Zweifel in der Möglichkeit, den Tumor mit einem Eingriff restlos zu beseitigen und damit potentiell eine Heilung herbeizuführen. Allerdings besteht die Gefahr, dass Tumorreste nicht vollständig entfernt wurden, so dass der Tumor wieder auftreten kann. Es bestehen aber ferner klare Komplikationsmöglichkeiten, auf die auch der erfahrene Operateur nur bedingt Einfluss nehmen kann.

Eine Problematik der Totaloperation besteht in der möglicherweise damit verbundenen Harninkontinenz (unwillkürlicher Harnverlust).

Das heißt, dass der operierte Patient zumindest vorübergehend oder auch langfristig die Fähigkeit verliert, den Urin zu halten. Das liegt daran, dass bei der Operation immer auch der äussere Schließmuskel mitverletzt werden kann. Die langfristigen Inkontinenzraten schwanken stark.

Das zweite große Problem der operativen Therapie ist die oft daraus resultierende Impotenz.

Das bedeutet konkret, dass Libido und Orgasmusfähigkeit zwar erhalten bleiben, die Erektionsfähigkeit des Penis jedoch bei sehr vielen Patienten verloren geht. Ursache hierfür sind Verletzungen bzw. Durchtrennungen der beiden Gefäß-Nervenbündel , die sehr nah an der Prostata verlaufen. Abhängig von der Lage und der Ausdehnung des Tumors können diese Nervenstränge in vielen Fällen jedoch nur mit sehr viel Geschick geschont werden.


Unter dem Begriff Strahlentherapie werden verschiedene Bestrahlungsmethoden mit unterschiedlichen Anwendungsbereichen zusammengefasst:

  • externe Bestrahlung
  • LDR (Low Dose Rate) Brachytherapie – Seedimplantation
  • HDR (High Dose Rate) Brachytherapie – Afterloading-Therapie


Externe Bestrahlung

Die bekannteste Form der Strahlentherapie ist die externe, d.h. Bestrahlung von außen. Das Tumorgebiet wird hierbei über einen Zeitraum von etwa 7 Wochen an jedem Wochentag mit dem Ziel bestrahlt, die Krebszellen soweit zu schädigen, dass sie schließlich zugrunde gehen.

Als alleinige bzw. kurative Therapie kann die externe Bestrahlung bei Tumoren im sehr frühen Stadium eingesetzt werden. Die Problematik der externen Bestrahlung besteht jedoch darin, dass die Strahlengesamtdosis auf ca. 70-80 Gy (Gray = Bestrahlungsdosis) limitiert ist, um die Nebenwirkungen an Harnwegen, Blase und Darm zu begrenzen. Deutliche Verbesserungen in Bezug auf die Präzision des Bestrahlungszieles und der Nebenwirkungen wurden mit der 3D konformalen Strahlentherapie erzielt. Ein Bestrahlungsplan wird für jeden Patienten individuell erstellt. Bei der externen Bestrahlung treten vorübergehend Symptome des Harntraktes auf, die nach einigen Wochen wieder verschwinden. Eine Harninkontinenz tritt nach Bestrahlung nur selten auf. Probleme bereitet häufiger der Darm. Sehr selten sind schwere Schädigungen im Enddarmbereich. Die sexuelle Impotenz (33-61%) ist eine Komplikation, die sich erst im Laufe der Jahre entwickelt.

Die LDR (Low Dose Rate) Brachytherapie – Seedimplantation

Die permanente Brachytherapie (brachy = kurz, also „Kurzdistanzbestrahlung“) oder Seedimplantation ist eine kurative (heilende) und gleichzeitig besonders schonende Form der Strahlentherapie beim lokal begrenzten Prostatakarzinom. Aufgrund ihrer hohen Wirksamkeit wird sie immer häufiger als Alternative zur radikalen Prostatektomie, der Totaloperation, eingesetzt. Mit Hilfe spezieller Hohlnadeln werden die Strahlenquellen in Form von winzigen radioaktiven Implantaten (Seeds) bei diesem Verfahren direkt in die Prostata eingebracht. Als radioaktive Quellen werden Iod (I-125) oder Palladium (Pd-103) eingesetzt. Auf diese Weise können deutlich höhere Strahlendosen (145 Gy bei der LDR) direkt in der Prostata mit Schonung umliegender Organe verabreicht werden als bei einer externen Bestrahlung (ca. 70-80 Gy). Die Implantate verbleiben in der Prostata und geben die Strahlung langsam abnehmend über mehrere Monate (bei Iod-125 in etwa 12 Monaten und bei Palladium-103 in etwa 3 Monaten) unmittelbar in das Tumorgewebe ab. So wird das Prostatakarzinom allmählich zerstört, ohne dass gesundes Gewebe wesentlichen Schaden erleidet.

Der Vorteil gegenüber der Totaloperation besteht ganz klar in einer erheblichen Minderung der Komplikationen und Nebenwirkungen. Das Auftreten von Inkontinenz liegt nach Implantation der Seeds bei unter 2 %. Die Potenz ist bei mehr als 80 % der Patienten 2 Jahre nach Implantation noch erhalten. Aufgrund später auftretender strahlungsbedingter Schäden sowie dem fortschreitenden Alterungsprozess erhöht sich die Zahl über Jahre hinweg weiter. Fünf Jahre nach erfolgter Seed-Implantation liegt die Rate bei 50 %. Prostatakarzinom-patienten, die sich vor dem 70. Lebensjahr der Seed-Implantation unterziehen, schneiden erfahrungsgemäß besser ab. Zudem eröffnet die Seed-Implantation denjenigen Patienten eine adäquate Alternative zur Totaloperation, die aufgrund ihres Alters oder anderer medizinischer und/oder sozialer Faktoren eine Operation vermeiden möchten.

Die HDR (High Dose Rate) Brachytherapie – Afterloading-Therapie

Bei dieser Form der Brachytherapie wird ein hochradioaktiver Strahler über flexible Transportkabel in den tumorösen Bereich eingebracht. Der hochenergetische Strahler verbleibt nur eine kurze, nach einem Dosisplan berechnete Zeit am Ort des Geschehens. Das Afterloading-Verfahren wird 2-3x hintereinander in etwa einem einwöchigen Abstand durchgeführt und meistens mit der externen Strahlentherapie kombiniert. Häufig wird die Afterloading-Therapie bei Prostatakarzinomen im lokal fortgeschritteneren Stadium eingesetzt.

Der Hauptunterschied zwischen HDR- und LDR-Brachytherapie liegt darin, wie lange die radioaktive Quelle im Körper verbleibt und mit welcher Dosisleistung sie strahlt:

LDR arbeitet dauerhaft mit niedriger Dosis und die Teilchen verbleiben im Gewebe, während HDR kurzzeitig mit sehr hoher Dosis arbeitet und die Strahlenquelle wieder entfernt wird.

Ionisation: Die Strahlung bricht Moleküle in den Zellen auf und erzeugt chemisch aggressive Teilchen.
DNA-Schaden: Sie erzeugt Brüche im Erbgut (DNA), besonders die gefährlichen Doppelstrangbrüche. Eine gesunde Zelle hat gute Zellreparaturmechanismen, die dafür sorgen, dass die gesunde Zelle nach der Bestrahlung wieder heilen kann. Bei einer Tumorzelle ist es oft so, dass die Reparaturmechanismen der Möglichkeit sich schnell zu teilen und somit wachsen zu können, weicht.
Zell-Stopp: Die Krebszelle kann sich nicht mehr richtig teilen oder stirbt direkt ab (Apoptose)
Die Wirksamkeit einer Bestrahlung ist am höchsten, wenn sich Krebszellen in der Teilungsphase (Mitose)befinden, sie also während der Zellteilungsphase geschädigt werden. Es ist also von Vorteil, die Betrahlungszeit zu erhöhen, um zum Zeitpunkt der Zellteilung die Bestrahlung zu gewährleisten (wie z.B. bei der LDR-Braachytherapie).

RADIKALE PROSTATEKTOMIE

Einsatzbereich:
Kurative Therapie bei lokal auf die Prostata begrenztem Karzinom

Ambulante oder stationäre Durchführung:
Stationär (mind. 14 Tage und anschließend lange Erholungsphase)

Narkose:
Vollnarkose

Wirksamkeit:
Die Heilungschancen nach einer radikalen Prostatektomie (vollständige Entfernung der Prostata) sind sehr gut, vorausgesetzt alle Karzinomzellen wurden entfernt. Die karzinomspezifische 10-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit liegt je nach Tumorrisiko zwischen 89 % und 99 %.

Mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen:
Impotenz: Da die für die Erektion verantwortlichen feinen Nerven- und Gefäßbündel (neurovaskuläre Bündel) sehr nah an der Prostata verlaufen, kann es trotz nervenschonender OP-Techniken zu Potenzstörungen kommen. Die Erholungszeit kann Monate bis Jahre dauern oder dauerhaft bestehen bleiben.

Harninkontinenz: Unmittelbar nach dem Eingriff haben viele Patienten Probleme beim Wasserhalten, da der Schließmuskel durch die operative Veränderung und das Tragen des Katheters vorübergehend geschwächt ist. Eine bleibende Inkontinenz entwickelt sich bei schätzungsweise 5 bis 15 % der Patienten.

Allgemeine Operationsrisiken durch Vollnarkose, Bluttransfusion etc.

SEED IMPLANTATION (LDR-BRACHYTHERAPIE)

Einsatzbereich:
Kurative Therapie bei lokal auf die Prostata begrenztem Karzinom

Ambulante oder stationäre Durchführung:
Ambulant oder Stationär (bis 3 Tage)

Narkose:
Spinalanästhesie, Vollnarkose

Wirksamkeit:
Bei Patienten mit einem vergleichsweise geringen Risiko sind die Heilungsquoten ähnlich hoch wie bei einem chirurgischen Eingriff oder einer herkömmlichen externen Strahlentherapie. Bei Patienten mit Prostatakrebs einer höheren Risikostufe sowie bei Hochrisikopatienten erzielt die Kombination aus LDR-Brachytherapie und externer Strahlentherapie bessere Ergebnisse als die Chirurgie allein.

Mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen:
Im Gegensatz zur Operation der Prostata, bei der bis zu 50 Prozent der Patienten anschließend über Impotenz klagen, geben nur 6 bis 25 Prozent der Patienten, die eine LDR-Brachytherapie erhalten, ein Nachlassen der Sexualfunktion an. Dabei bleibt die Potenz nach einer LDR-Brachytherapie zunächst vollständig erhalten. Nach einer Radikaloperation der Prostata kommt es hingegen sofort zum Erektionsverlust, wenn die Erektionsnerven nicht erhalten werden können.

Vorübergehende Reizungen bzw. Entzündungen an Harnweg, Blase und Enddarm Ggf. Narkoserisiko

EXTERNE BESTRAHLUNG

Einsatzbereich:
Kurative Therapie bei Karzinom im Frühstadium

Ambulante oder stationäre Durchführung:
Keine

Narkose:
Keine

Wirksamkeit:
Bei einem lokal begrenzten Prostatakarzinom bietet die externe Bestrahlung (perkutane Strahlentherapie) hervorragende Heilungschancen von 85 bis 95 Prozent. Damit sind die Heilungs- und Überlebensraten mindestens ebenso hoch wie bei einer operativen Entfernung der Prostata (Prostatektomie).

Mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen:
Eine externe Bestrahlung der Prostata führt bei etwa 20 bis 70 von 100 Männern zu einer erektilen Dysfunktion (Impotenz). Im Gegensatz zur Operation tritt diese Störung meist erst schleichend Monate bis zwei oder drei Jahre nach Beendigung der Therapie auf.

Eine Inkontinenz tritt nach einer externen Bestrahlung der Prostata deutlich seltener und meist verzögert auf als nach einer operativen Entfernung. Während bei einer Operation der Schließmuskel direkt mechanisch belastet oder geschwächt werden kann, resultiert der ungewollte Harnverlust nach einer Bestrahlung primär aus einer Strahlenreizung des umliegenden Gewebes.

Vorübergehende Reizungen bzw. Entzündungen an Harnweg, Blase und Enddarm sowie äußerlich im bestrahlten Bereich.

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